Corona-Krise: Lernen braucht Raum und Zeit

Diese Tage des „Fernlernens“ in meiner Berufsschule erinnern mich immer deutlicher an einen Blogartikel von Jöran vom Februar 2018: GUTE LERNORTE IN DER DIGITALEN GESELLSCHAFT. ODER: WAS SCHULEN VON STARBUCKS LERNEN KÖNNEN

Was nutzen all die tollen Unterrichtsplanungen für das Unterrichten aus der Ferne, wenn in meinem Nahrungs-Fachbereich der Berufsschule die Strukturen wegbrechen? Von einem Tag auf den anderen verschwand faktisch der Berufsschultag bei den Auszubildenden. Während einige Branchen den Schultag zum Arbeitstag umfunktionierten (vielfach im Backgewerbe), sind in anderen Branchen (Gastgewerbe) die Ausbildungsplätze grundsätzlich bedroht. Allen Auszubildenden ist die Struktur genommen, die z.B. heißt: „Am Donnerstag habe ich in der Zeit von …. bis … Uhr Lernzeit, um mir die theoretischen Ausbildungsinhalte in meiner Lerngruppe anzueigenen.“ Nicht nur der schulische Raum ist in Corona-Zeiten weg – nein, auch ist die Zeitspanne weg, in der ich als Lehrende sicher sein kann, mit meinen Schülerinnen und Schülern interagieren zu können: analog, digital, per BigBlueButton-Webkonferenz, mit Moodle-Rahmen, , etc. Da nützte tatsächlich auch all die Mühe nicht, mit Ausbildungsbetrieben zu kommunizieren. Denn was ich als Fachlehrerin nicht konnte: Auf den ursprünglichen Berufsschultag als Tag des Lernens zu bestehen. Für das Setzen dieser Rahmenbedingungen sind andere Ebenen zuständig. Und viele Auszubildende sind meiner Erfahrung nach damit überfordert, sich selbstorganisiert Lernzeiten zu schaffen: „JETZT beschäftige ich mich mal 2 Stunden mit den mir angebotenen Lerninhalten bzw. nutze die digitale Sprechstunden.“

All die tollen Lernwege und Feedbackkanäle, die ich den jetzt zu individuellem Lernen aufgeforderten Schülerinnen und Schülern anbiete, werden kaum genutzt – weil Raum und Zeit weg sind! Die ganzen Diskussionen bzgl. digitaler Lernangebote sind sinnlos, wenn die Zielgruppe einfach weg ist! Wenn es nun um die Entwicklung von Strategien hin zu Blended Learning geht, was dringlich angezeigt ist angesichts der Pandemieentwicklung, dann muss als erstes der Rahmen abgesteckt werden, was Raum und Zeit anbelangt: In welchen Räumen mit welcher Ausstattung (WLAN, Endgeräte!) außerhalb der Schule kann Lernen stattfinden? Welches ist der zeitliche Rahmen, der GENAU definiert sein sollte. Nur dann kann man sinnvoll Webinare für Schülerinnen und Schüler abhalten. Weil ein Großteil der Lehrerschaft allerdings Hemmungen in der Anwendung dieser Lernform hat, ist auch der Fortbildungsbedarf hier immens.

Zur Zeit ist es für mich nur ein Bruchteil der Auszubildenden, die lernen. Immerhin sind dies gerade die sonst so Leisen und teilweise etwas Langsameren im Unterricht, die jetzt profitieren, alle auch medialen Lernangebote nutzen und Feedback für Lernleistungen einholen. Nur die Mehrzahl der Auszubildenden verpasst viel Ausbildungs- und Prüfungsrelevantes. Ich bin gespannt, wie lange dieser Zustand anhält…..

Bild: Pixabay.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.